Aus dem Fluss der Stille


Aus dem Fluss der Stille
Mit Bildern von Andreas Jäggi
136 Seiten
15 × 21 cm
August 2024
Reihe: Caracol WortArt, Band 5
978-3-907296-33-2
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Lieferbar

Gedankenfluss von zehn Lyrik Schreibenden, Pinselfluss aus der période bleue eines Malers: In einer Zeit von Lärm und Gewalt, Macht- und Konsumgier soll dieses Buch andere Aspekte des Menschseins zeigen, Raum geben der Stille, dem Nachdenken und der Verbundenheit mit der Natur – also einen Kontrapunkt setzen. Die Texte sind hier erstmals publiziert.

Das Projekt wurde angeregt durch eine Begegnung mit Bildern des Basler Malers und Sängers Andreas Jäggi. Der Caracol Verlag hat Lyrik Schreibende unter seinen Autorinnen und Autoren um Texte gebeten aus ihrem je eigenen «Sprachfluss der Stille», als literarisches Statement gegen die Reduktion der menschlichen Existenz auf Krieg und Katastrophen, Gewinn und Gewalt, Lärm und Lifestyle.

Der Band bringt zehn ganz verschiedene «Stimmen aus der Stille». Er enthält je sieben Gedichte von Sabine Abt, Kurt Aebli, Gabrielle Alioth (schreibt Lyrik auf englisch), Irène Bourquin, Erica Engeler (schreibt Lyrik deutsch und spanisch), Ruth Erat, Jochen Kelter, Ruth Loosli, Plinio Martini (italienischer Originaltext und deutsche Übersetzung von Christoph Ferber), Jolanda Piniel.

Die Texte werden begleitet von zwölf Bildern des Malers Andreas Jäggi aus seiner période bleue, speziell aus den Zyklen «St. Urban» und «Bluegreen Song» sowie Dorfimpressionen aus Aesch und Stadtimpressionen aus Dublin und aus Paris – farbintensive Bilder, die in die Tiefe führen.

12 Bilder, je 7 Texte: Das Buch erinnert mit seiner Struktur an ein Brevier. Es soll dazu einladen, innezuhalten, in die Stille zu lauschen, leisere Klänge und Empfindungen wahrzunehmen. Auch die oft missbrauchte Sprache soll hier zu sich kommen, in lyrischen Tönen und Zwischentönen.

Textauszug

im regen

an den ästen der
jungen buchenbäume hängen
aufgereiht hellgrüne blätter wie
frischgeschlüpfte diamanten
kurz vor dem
abflug

  • Sabine Abt

Warum

Warum existiert
etwas oder jemand.

Ich stelle hier die Fragen, sagt der Stein.

Meine Hand, sie vermag
ihn zu erwärmen,
nicht zu erweichen,
und sein Wille wird
siegen über
meinen in jedem
Fall.

  • Kurt Aebli

Rheinau

Die Fluss gewordene Stille –
darin träumende Wolken
Kiesel Wasserpflanzen
das Weiß zweier Schwäne
gesträubte Schwingen
mit sanftem Paddelschlag
leise gleitend um
die Kapelle am Inselspitz
Pappelgeflüster im Windhauch
draußen ein Kräuseln

  • Irène Bourquin

Elegie

Verdorrtes Laub am Raureifbaum.
Unberührt und winterfarben schön.

Im Geäst der Eiche tauchen sie auf.
Alte unter der Sonne.

Wenig weiß man von ihnen
und selten nennt einer die Namen –
Philemon und Baucis –
und erzählt, dass sie den Gast einließen
und Sonnenlicht ihre Hütte flutete
und sich der Wind im Kamin verfing
und die Welt weit wurde und warm
und sie miteinander Bäume.

Ach ja, ein Baum werden, ach ja,
und mein Bruder wäre die Linde.

Wenn der Mensch solches vermöchte,
still und vom Wind zerzaust.

  • Ruth Erat

Aus «Ed eri in mezzo a noi»

Poi tornarono gli stormi migratori
chi sa da quali luoghi inabitati,
nubi salirono e belle lunazioni,
la maestà dei fiumi scese al mare…
Ormai a lui bastavano
la vigna e un fuoco acceso di ricordi.

  • Plinio Martini

Aus «Ed eri in mezzo a noi», Übersetzung

Dann kehrten die Zugvögel in Schwärmen zurück
wer weiß aus welchen öden, verlassenen Orten,
die Nebel erhoben sich und die lieblichen Mondphasen,
und majestätisch strömten die Flüsse zum Meer …
Ihm aber reichten der Weinstock
und ein offenes Feuer an Erinnerungen.

  • Plinio Martini
  • Übersetzung Christoph Ferber

Bilder

Dieses Buch wurde gefördert von

  • Stadt Zürich, Kultur, Ressort Literatur
  • Alit – Verein Literaturstiftung