Serafin hatte sich gut eingepackt, damit ihm das garstige Wetter nichts anhaben konnte. Schon lange hatte er den Weg verlassen. Er wollte so tief wie möglich ins Herz des Waldes vordringen. Während er ging, lauschte er der Geräuschkulisse, die ihn umgab und nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, dass kein einziger Laut menschengemacht war. Dieses bunte Treiben ohne Zutun seiner eigenen Spezies hatte etwas Tröstliches. Hier mitten im Wald spielten die Eitelkeiten der Stadt keine Rolle. Sie hatten schlicht keine Gültigkeit. Liefe Serafin nackt herum, nichts und niemanden würde es kümmern. In diesem Refugium musste er keiner Seele etwas beweisen. Er war sich selbst überlassen. Was ihn andernorts ängstigte, fühlte sich hier gut an. Er konnte befreit aufatmen. Es schien, als würde die erdig frische Luft – sie war süffig wie Bergquellwasser – ihn von innen reinigen. Sie stärkte ihn, aktivierte ihn. Sie versorgte den ganzen Organismus mit Energie. Und das war nötig, denn diesmal schlug sein Herz so irre schnell, weil er sich bis ans Limit verausgabte. Er schwitzte und keuchte, weil es einen Grund dafür gab. Körper und Geist waren eins. Sie arbeiteten zusammen – füreinander statt gegeneinander. Und deshalb blieb Serafin in Bewegung und pushte sich unaufhörlich.
Irgendwann, Serafins Kopf dampfte schon von den Strapazen der Wanderung, trat er an einen umgestürzten Baum heran. Der mit Moos bewachsene Stamm lag da wie ein schlafender Riese. Das Wurzelwerk türmte sich mannshoch in den Himmel. Am anderen Ende verlor sich der Baum über einem Abhang. Kurzerhand bestieg Serafin das Ungetüm und balancierte nach vorne. An der Spitze blieb er stehen und sah sich um. Auf einmal, er wusste selbst nicht warum, heulte er los wie ein Wolf. Es kam einfach so aus ihm heraus. Es war ein langer, ausgedehnter Ruf, der ein leises Echo nach sich zog. Nach einem Wimpernschlag der Stille übernahmen die Vögel wieder, als wäre nichts geschehen.






