Einmal schwamm eine Wildsau im See


Einmal schwamm eine Wildsau im See
Einmal schwamm eine Wildsau im See
Texte & semantische Typografien
Gestaltung Pablo und Lukas Erat
ca. 140 Seiten
20 × 21 cm
Reihe: Caracol WortArt, Band 2
978-3-907296-12-7
    In Vorbereitung

    Dieses Buch bringt zu den Bereichen Hierzulande am See, Im Gebirge und Meerwärts kurze Erzählungen und Lyrik von Ruth Erat und semantische Typografien von Pablo Erat. Es befasst sich mit Landschaften, die Ruth und Pablo Erats Leben und Arbeiten geprägt haben. Der Bodensee ist das Gewässer der Kindheit, sein internationaler Kulturraum das Gebiet des Alltags. Das Gebirge zeigt sich als Landschaft des Herkommens, aber auch einer unbekannten Fremde, während das Meer im Süden und Norden einen Sehnsuchtsraum zwischen Rom und dem Polarkreis ausmisst.
    Darin tauchen Menschen auf, Träumerinnen und Arbeitssuchende, Erzählerinnen und Wandernde. Eine Wildsau schwimmt im See, ein Ehepaar marschiert endlos weiter, ein Christbaum geht über Bord, an der Grenze zur Schweiz stossen Freunde zufällig auf das Märchen vom Machandelboom, in der Schattenkammer geht Tag für Tag die Titanic unter und im Einfamilienhausgarten tröstet ein Trampolin.

    Dabei stossen Unvereinbarkeiten aufeinander, tauchen Fragen auf, die über den Text hinausreichen. Manches verwundert, anderes löst vielleicht ein Lachen oder ein Kopfschütteln aus und wieder anderes schreckt auf.
    Poetisches und Politisches, Aussichtsloses und Stimmungsvolles, Erzählerisches und Erstaunliches zetteln ein Gespräch an, wie es die Erzählerin und der Typograf, die Lyrikerin und der Buchgestalter in den letzten Jahren immer wieder führten – weniger diskutierend als je einzeln und miteinander gestaltend.

    Textauszug

    Das Trampolin

    Als wir Max in London auf seinem Trampolin fliegend seine Geschichte erzählen sahen – das Alleinsein, die Suche, den Augenblick, als ihm eine kleine, weisse Drohne entgegenflog – sagten wir: Ja, das Trampolin tröstet. Und wir erinnerten uns beide an die kleine Elfriede, die sich gewünscht hatte, im Schrebergarten Lupinen auszusäen. Doch ihre Mutter hatte bereits die eine Hälfte mit Gemüse bepflanzt, während ihr Vater auf der zweiten einen Fertigrasen ausgerollt hatte. Zum Essen und für die Gesundheit, hatte die Mutter gesagt. Zum Spielen und für die Fitness, hatte der Vater erklärt, dem Kind einen Katalog in die Hand gedrückt und es hatte mit seiner Kinderschere das grösste Trampolin ausgeschnitten. Eine Woche später stand dieses neben dem Pflanzbereich auf dem Rasen. Darauf sprangen die Nachbarskinder hoch, liessen sich auf den Rücken fallen, versuchten einen Salto, lagen lachend auf dem Sprungtuch. Elfriede sass daneben und klatschte. Dann griff sie sich an den Rücken, tastete, mit der einen, dann mit der anderen Hand nach ihren Schulterblättern. Ja. Sie waren noch da: diese Flügelstummel. Sie würde fliegen. Demnächst. Dass die Eltern gesagt hatten, das seien gewöhnliche Schulterblätter, hiess nichts.

    Salto