fischfarbenprisma


fischfarbenprisma
fischfarbenprisma
Gedichte
104 Seiten
12 × 20.5 cm
August 2022
Reihe: Caracol Lyrik, Band 7
978-3-907296-18-9
  • 20 CHF
  • 18 €
Lieferbar

In ihrem ersten Lyrikband nimmt Sabine Abt uns mit in ihr spontanes Erleben, das emotional ist, aber auch reflektiert wird, wobei sie überraschende Bilder findet für Visionen einer flimmernden Wirklichkeit.
Im Betrachten der Natur, die als beseelt erscheint, wird die Autorin zur «Übersetzerin» zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen. Nichts ist zu klein, um bemerkt zu werden – kein Pflänzchen, kein Insekt, kein Stäubchen – und doch sieht sie auch das Ganze. Manche Texte sind zeitlose Visionen von Naturwesen oder moderne Naturmystik.
Doch der Themenfächer von Sabine Abts Gedichten öffnet sich weiter: der Mensch in der Welt, mit der Schwerkraft ringend; der Mensch im Lauf der Jahrtausende, im Wechsel der Kulturen; der Mensch, mit der Natur verschmelzend und zugleich sie betrachtend; der Mensch in einer aufkeimenden Liebe; Leben und Sterben; die Politik und die Erlebniswelt eines Kindes.
Sabine Abts Lyrik ist geprägt von fliessenden, manchmal tanzenden Rhythmen, von Klanggesang und Alliterationen – die Musikerin die sie auch ist, wird in den Gedichten spürbar.

Textauszug

tanzplatz

nur hier wird getanzt
auf genau dieser wiese im wald
weiss das kind und zeigt auf die

moosfingerbeete aus winzigen
wirbeln, gestaffelt, geschichtet
im graugrünen schaum aus schachtelhalm

unter dunklen lamellen der tannen
wie auerhahnfedern übereinander
gelagerte sich drehende räder

von unten bis oben ineinander
ein leises gesirre von wer
weiss was noch wenn wir
den rücken wenden

finis terrae (kaokoveld)

wo gelbrosa dünenwellen dunstig
meerwärts fließen und jenseits
des flusses violette zacken
und kämme der berge verblassen
und immer weiter segeln
verschwimmend in blauen tiefen

wo horizonte hintereinander
sich wandeln im licht wenn mond
und sonne sich die hoheit über
den himmel übergeben im rhythmus
der erdzeitalter am ende oder
vielleicht am anfang der welt

wo rauer felsbuckel unter mir döst
und ich nicht weiß wo der stein
aufhört und der körper beginnt

glühwürmchen

mitten in der nacht
ein grünliches leuchten
auf der bettdecke

zünde deine lampe
nicht an
du sähest
einen lichtlosen
käfer