Fremd bin ich eingezogen


Fremd bin ich eingezogen
Gedichte
112 Seiten
Reihe: Caracol Lyrik, Band 1
978-3-907296-02-8
  • 20 CHF
  • 20 €
Erscheint demnächst

Starke Gedichte eines weitgereisten, politisch engagierten und belesenen Autors, der sich zu Hause am Bodensee, in einer Oase des Friedens, fühlt wie «Ikarus an Land»:

unsichtbare Vögel zwitschern aus
noch unbegrünten Bäumen irgendwo
löst sich ein Schuss hörbare Stille
befreit die Seele so nah doch so fern
der immer aufgebrachteren Welt

Jochen Kelter hat seine neuen Gedichte in zehn Zyklen komponiert: ein Streifen der Gedanken und Gefühle durch Zeiten und Räume, Landschaften, menschliche Schicksale, Kämpfe und Kriege. Der Autor spürt «Die Trauer der Dinge» und die eigene Trauer über Vergangenes, Verlorenes oder im raschen Lauf des Lebens nur Gestreiftes. Die Atmosphäre der Orte, wo auch immer auf der Welt, in den Anden, in Asien oder am Bodensee, steigt aus seinen fliessenden Zeilen auf.
Das Private wird politisch und das Politische privat. Kelter sieht die Bruchlinien der Geschichte, die Verheerungen des Kolonialismus, sieht, wie alte Dämonen wieder die Köpfe heben. Schreibend führt er auch Dialoge mit anderen: Politiker, Schriftsteller, Künstler. Dazwischen hin und wieder ein stilles Zwiegespräch mit der Landschaft. Das Glück: Oasen-Momente in einer entgleisten Welt.

Schreibe dem Wesen der Dinge
Zeile für Zeile den Ton deiner

Seele ein deiner Zeit und das
Grauen der Macht die allein
sichtbar werden im Licht einer
denkenden Pupille auf dem Papier

Die Poesie soll kein «kulturelles Luxusgut» sein, sondern Stellung beziehen. Schreiben als politisches Engagement – das ist bei Jochen Kelter nie Agitprop, sondern immer starke Lyrik.

Textauszug

Güímar

Die weiße Wolke einsam
am strahlenden Himmel
blau zwischen gezackten
Gipfeln da oben dem Meer
da unten Kaktusbäume
haushoch Bougainvillea
immergrün Drachenbäume
den Hang immer hinunter
streunende Stille fernes
Gekläff an welchem Geäst
eines Gummibaums welcher
Kaktee ist meine Kindheit
hängengeblieben die Zukunft
wozu aber Fragen an diesem
geschenkten Wintertag weit
draußen im fernen Atlantik
und jene weiße Wolke
schwindet schon nicht wahr
wie die Erinnerung im Wind