Irène Bourquin ist eine Dichterin, die die Welt, ihre Winkel und Stimmungen sorgfältig schildert und deutet. Ihr neuer Gedichtband «Im Orbit einer Sonne» bietet eine Fülle von Entdeckungen. Die Szenerien sind Landschaften, Himmel, Erde, Pflanzen, Gewässer, Gestirne, Wege, Horizonte, Hügel, Spuren, doch auch die eigene Welt in der Wohnung, Erinnerungen, Zeitpunkte, Stimmungen.
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Winzige Rispen
klimpern
auf Asphalt
ihre feine
Schattenmelodie
Dieses Gedicht (S. 45) ist raffiniert: Als ob Rispen in ihrer leichten Bewegung Musik erzeugen würden, jedoch nur als notenähnliche Schattenbilder sichtbar. Das Miteinander der Vokale i und e in den ersten beiden Versen spielt mit. Mit diesem Klang hat die Dichterin übrigens schon vorher experimentiert, bei den betörenden Versen, die man hundertmal wiederholen möchte: ‹Grillensippen / wie Zwitschergeschwister› (S. 24).
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Auch die eigene Wohnung kann zu einer Landschaft werden, in der die Dinge mehr sind, als sie scheinen, sogar die technischen. Im Gedicht ‹Was als Lichtfleck› (S. 113) wird plötzlich das Apple-Signet zu einer Erscheinung, die ‹irrlichtert› ‹auf dem schwarzen / Schwedenofen›. […]