Im Orbit einer Sonne


Im Orbit einer Sonne
Im Orbit einer Sonne
Gedichte
160 Seiten
12 × 20.5 cm
April 2025
Reihe: Caracol Lyrik, Band 15
978-3-907296-37-0
  • 22 CHF
  • 20 €
Lieferbar

In diesem Band hat Irène Bourquin neue Gedichte in drei grossen Zyklen zusammengestellt. Die Texte sind konzentrierte Augen-Blicke, Erlebnis-Momente, Gedanken, in wenigen Zeilen eingefangen und zu intensiver Wirkung gebracht.
Ausgespannt / die Lauschmuscheln führt hinaus in die Natur und in vier Kapiteln durch die Jahreszeiten. Die Begegnung mit der Natur, das Bestreben, ihr eine Stimme zu geben, war der Autorin schon immer wichtig und ist in Zeiten des Klimawandels noch dringender geworden. Hier ist es die Natur vor der Haustür, sind es Bäume, Pflanzen, Tiere, die sie auf langen Spaziergängen durch Wald und Feld antrifft, auch Wolken, Wind und Wetter.
Durch die Rabatten / streunt der Fuchs: Das erste Kapitel gilt der Natur in städtischem Umfeld, in Zürich, einer Stadt, die auch über 1000 Füchsen Lebensraum bietet. Im zweiten wuchernde Zivilisation: Baugerüst und Autobahn, dampfendes Kernkraftwerk und lärmender Ghettoblaster, Nutztiere, dem Menschen verwandt, mächtig drohender Bergsturz.
Der Zeitpfeil bockt / schlägt Haken: Das erste Kapitel gilt den Themen Erinnerung, Traum, Alter und Tod. Das zweite befasst sich mit dem Ort des Menschen im Kosmos, in Raum und Zeit, mit Forschung und Ungewissheiten.

Textauszug

Aus «Ausgespannt / die Lauschmuscheln»

Klopfende Tropfen
krachende Dach-
lawinen
Rieseln Rauschen
Tauen
weißgrüne Muster
die Wiesen
tragen Leopardenfell

*

Im Schattendunkel
des Waldhangs
einzig ein
hellgrünes Blatt
in einem Faden
Licht

*

Westwind
im Gebüsch
am Himmel treibt
ein vielzehiger
Fußabdruck

*

Flatterschar
unsichtbar im
beerenroten
beerenschwarzen
Herbstgesträuch
längs dem Pfad
Flatterschar
flieht den Schritt

*

Lichtglanz
im nassen
Asphalt
vor dem Stall
steigt ein weiterer
Regentag
in den Sattel

Aus «Durch die Rabatten / streunt der Fuchs»

Zwischen
kahlen Sträuchern
fern der See
grauschillernd
unwirklich
fließende Platte
aus Glas

*

Im Baugerüst
turnt Ariel
durch die Oktaven

ausgewandert
Igel und Fuchs

kalter Widerschein
des Vollmonds
auf Metall

Aus «Der Zeitpfeil bockt / schlägt Haken»

Von Tonträgern weht
uns ihr Atem an
Trompeter
Klarinettisten
Tuba-Spieler
Saxophonisten
Posaunen- und
Flügelhorn-Bläser
verstorben lebendig
in ihrer Melodie

*

Lichtvogel
tanzt an der Wand
schwirrt hinein in ein Bild –
prähistorische Pferde
menschliche Hände
aus der Höhle Pech Merle
und der Reflex
des in der Sonne
geschwenkten Handys
über Jahrzehntausende
miteinander verbunden

Rezensionen

Mit geschärften Sinnen durch den Sommer

«Weisse Wollfäden / ausgefranst / am Himmel / driftendes / Spinnennetz / der Ferienflüge». So nimmt Irène Bourquin den Sommer wahr. […] Ein Zyklus von Jahreszeitengedichten bildet die erste Abteilung in Bourquins neuem Gedichtband «Im Orbit einer Sonne». In klassischer Manier nimmt darin ein lyrisches Ich seine Umwelt wahr und übersetzt sie auf wenigen Zeilen in ein poetisches Bild. Viele dieser Bilder treffen, überraschen und schärfen damit die Sinne dafür, wie man die Welt auch noch betrachten könnte. […] Nachrichten aus der Forschung, daher der Buchtitel, der uns weit ins Universum hinauskatapultiert und so auf die garantiert längste Reise dieses Sommers schickt.

  • Eva Bachmann
in Saiten – Ostschweizer Kulturmagazin am 11. August 2025 (Website)

«Grillensippen wie Zwitschergeschwister»

Irène Bourquin ist eine Dichterin, die die Welt, ihre Winkel und Stimmungen sorgfältig schildert und deutet. Ihr neuer Gedichtband «Im Orbit einer Sonne» bietet eine Fülle von Entdeckungen. Die Szenerien sind Landschaften, Himmel, Erde, Pflanzen, Gewässer, Gestirne, Wege, Horizonte, Hügel, Spuren, doch auch die eigene Welt in der Wohnung, Erinnerungen, Zeitpunkte, Stimmungen.

[…]

Winzige Rispen
klimpern
auf Asphalt
ihre feine
Schattenmelodie

Dieses Gedicht (S. 45) ist raffiniert: Als ob Rispen in ihrer leichten Bewegung Musik erzeugen würden, jedoch nur als notenähnliche Schattenbilder sichtbar. Das Miteinander der Vokale i und e in den ersten beiden Versen spielt mit. Mit diesem Klang hat die Dichterin übrigens schon vorher experimentiert, bei den betörenden Versen, die man hundertmal wiederholen möchte: ‹Grillensippen / wie Zwitschergeschwister› (S. 24).

[…]

Auch die eigene Wohnung kann zu einer Landschaft werden, in der die Dinge mehr sind, als sie scheinen, sogar die technischen. Im Gedicht ‹Was als Lichtfleck› (S. 113) wird plötzlich das Apple-Signet zu einer Erscheinung, die ‹irrlichtert› ‹auf dem schwarzen / Schwedenofen›. […]

  • Vera Schindler-Wunderlich
in orte – Schweizer Literaturzeitschrift Nr. 232, «Föhnrausch» am 1. August 2025 (PDF)

LeserInnen Stimmen

Lichtglanz. Ich staune immer wieder, wie sparsam formulierte Texte ganze Geschichten erzählen können. Magic.

  • Robert Arba

Dein neues Buch liegt prominent auf meinem Küchentisch. Hin und wieder lese ich ein paar deiner Gedichte und erfreue mich an der Vielfalt der Sprache. Da ist dir ein sehr schönes Buch gelungen.

  • Raffael Rihs

Ich blättere und lese begeistert und beeindruckt im Band «Im Orbit einer Sonne». Deine Gedichte werden immer prägnanter, berührender, verdichteter.

  • Gabrielle Alioth

Dieses Buch wurde gefördert von

  • Kanton Zürich, Fachstelle Kultur
  • Stadt Zürich, Kultur, Ressort Literatur