Der Lyrikband Jochen Kelters beginnt mit dem Gedicht «Vater» und mit den Verszeilen: «What we do in a war / comes home …». D. h., die Gräuel des Krieges bleiben nicht zurück an der Front und in den Schützengräben, in U-Booten und Panzern, bei den Erschießungskommandos und vergewaltigten Frauen, den Bombern und den zerbombten Ruinen, den Hungermärschen und Gefangenenlagern: Mit den Kriegsheimkehrern kommen die Gräuel zurück, heim nach Hause, in die Familien, Kindergärten und Schulen: «… Eisige Kälte / die nicht nur durch Ruinen ging / ohne Zuwendung mit fester Hand / hart wie Kruppstahl zäh wie Leder / Abwendung von den Seinen …».
Bei Jochen Kelter blicken wir auf den dünnen Planken des «Vater»-Gedichts in den schwarzen Abgrund der Erfahrung von Kälte und Einsamkeit – einer Erfahrung, wie sie die Generation der Nachkriegskinder geprägt hat …
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Es ist ein dankenswertes Glück, dass Jochen Kelter sich noch nicht «gänzlich zurückgezogen» hat und – wie ich hoffe – noch lange lebt und schreibt: als Lyriker, Essayist und Erzähler. Auch wenn sein Gedichtband nicht frei ist von Elementen der tiefen Trauer und einer erschreckenden Hoffnungslosigkeit, so schwingt in seiner Lyrik dennoch die Melodie der Aufklärung, und wer genau hinhört, vernimmt aus dem Orchestergraben die Symphonie des Widerstands – etwa wenn er schreibt: «Protected Mobility lautet das Motto / des Waffenkonzerns ziemlich ungewisse / Überlebenschance wäre der passende / Slogan der aber verkauft keinen Krieg».