Ich erzähle mich in den Schlaf und durch den Tag. Auch heute. Solange ich erzähle, ist die Geschichte nicht an ihr Ende gekommen.
[…]
Endlos scheint es zu laufen, dieses Kind.
Die Spuren werden weniger. Dann verlieren sie sich.
Es gibt Risse, über die das Kind hinwegsetzt. Weit weg kracht es. Das Kind fährt voran. Fern rollt ein Donnern.
Das Kind will wenden und wendet nicht und gleitet weiter und steht nirgendwo still.
Es ist allein.
Es ritzt seine Spur ins weglose Eis.
Vor ihm liegt die nie zuvor betretene Fläche.
[…]
Das Kind zieht einen Bogen, läuft wieder auf den See hinaus, fährt zurück. Gleitschritt für Gleitschritt. Voran. Voran. Nicht innehalten. Nicht zögern. Weiter und schneller. Schneller.
[…]
Eine Wolke aus Stickereistichen steigt vom brüchigen Grund auf. Wenn Wind weht, ziehen sich die Fäden auseinander, verwirren sich, treiben fort, sinken anderswo nieder, verknoten sich wieder. Eine Schere zerschneidet erneut Gewebe und Garn. Eine Nadel fügt anders zusammen. Ein Bild entsteht, ein Wimpel, ein Seidenband, eine Bordüre. Der Wind hebt sie neu empor, lässt sie fliegen.
[…]
Du wirst sehen, hatte Pierre gesagt, im Winter ist es auf dem See schön wie nie. Um uns alles weit und still. Und unter uns schwimmt die Welt.
Ich wende, hatte ich gerufen.
Ich hatte gewendet.
Der See wogte unter meinem Boot auf und nieder.
Mich trieb die Angst voran.
Ich floh.
Ich stürzte mich unter heißem Wasser in ein sinnloses Reden: Wenn einer unglücklich ist. Wenn sich einer einfach in die Kälte legt. Wenn einer im dunklen Winterwasser treibt, müde, allein, meerwärts unterwegs.
Ich drehte das heiße Wasser weiter auf. Die Haut brannte. Nichts sollte sein als dieser Schmerz.






