Frühjahrsprogramm 2021


Unser zweites Programm umfasst vier Bände der Reihe Caracol Prosa: zwei Romane, eine Erzählung und einen Band mit 13 phantastischen Erzählungen. Diese vier Bücher, die wir im Folgenden näher vorstellen, erscheinen im April 2021. Alle Autorinnen und Autoren sind neu im Caracol Verlag.

Die Bücher

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  • Ruth Loosli

Mojas Stimmen

Roman

Paula ist Witwe, gegen 60 Jahre alt. Ihre Tochter Moja wird im Alter von 25 Jahren wieder zum hilflosen Kind infolge einer psychischen Erkrankung. Paula schwankt zwischen Entsetzen und Trauer, Hilfsbereitschaft und Wut. Moja schottet sich oft ab, ist unerreichbar in ihrer eigenen Welt, wo sie sich mit ihren «Stimmen» unterhält. Die Mutter muss die Verantwortung für ihr Kind, das sie liebt, zeitweise an eine Klinik abgeben. Doch Moja verweigert immer wieder die Medikamente.
Mutter und Tochterkind: ein prekärer Seiltanz der Emotionen, während Moja langsam in die Unselbständigkeit abrutscht. Aber die beiden bleiben einander zugetan und es gibt auch friedlich-liebevolle Momente.

Ruth Loosli schildert die tragischen Ereignisse, die Rettungsversuche wie die Fluchten der Mutter, das Abdriften und stille Leiden der Tochter berührend, aber nicht larmoyant. Was als Ich-Erzählung beginnt, wandelt sich zur Erzählung in der dritten Person, wobei abwechselnd das Erleben von Paula und Moja gezeigt wird. Das doppelte Seelenleben, wie es Ruth Loosli in ihrem ersten Roman berührend evoziert, bewirkt beim Lesen einen Sog, eine Spannung.
Psychische Krankheit ist ein Drama, kann aber auch zum Abenteuer werden, gar Humor wecken. – Was ist Normalität?

Ruth Loosli ist 1959 in Aarberg geboren und im Berner Seeland aufgewachsen. Sie ist ausgebildete Primarlehrerin und hat drei Kinder. Seit 2002 lebt und arbeitet Ruth Loosli in Winterthur, wo sie sich in verschiedenen literarischen Projekten engagiert. 
  • Silke Amberg

Plötzlich.

Roman

In ihrem zweiten Roman bringt Silke Amberg drei Personen zusammen, die abwechselnd, aus verschiedenen Perspektiven, durch die Geschichte führen: Fabienne, Mario und Hanna.
Fabienne, Redaktorin bei einem Lehrmittelverlag in Cambridge, erwartet ihr erstes Kind. Ihr Partner Mario, als Filmemacher freier Mitarbeiter beim WDR in Köln, soll rechtzeitig vor der Geburt zu ihr nach England ziehen. Im Moment, da die beiden zur Familie werden, kippt das Gleichgewicht ihrer Fernbeziehung, denn Mario sieht sich gezwungen, seine Heimat, seinen Job und seine Freunde zu verlassen. Fabienne ist schockiert, als ihr eine Freundin am Telefon berichtet, sie habe Mario mit einer jungen Frau gesehen. Hat er eine Geliebte? Fabienne kann das kaum glauben, aber die Eifersucht peinigt sie. Auch Hanna, die dritte Stimme in diesem raffiniert konstruierten Roman, hat private Probleme und kämpft mit Zweifeln.
In einer emotionalen, oft beinahe atemlos wirkenden Sprache zeigt Silke Amberg das aufgewühlte Seelenleben ihrer Figuren. Drei Menschen, die einander suchen, zusammen- und voneinander abprallen wie Billardkugeln.

Silke Amberg ist 1975 in Lich (Hessen) geboren und wuchs in Köln auf. In Freiburg im Breisgau studierte sie Französisch, Geschichte und Informatik. Nach verschiedenen Wohnorten in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien lebt sie heute mit ihrer Lebensgefährtin und ihren zwei Kindern in Basel. 
  • János Moser

Der Leopardenmeister

Phantastika

Auch im vierten Buch von János Moser werden die Fans des jungen Aargauer Autors finden, was sie an seinen Texten fasziniert: eine doppelbödige Realität, Wirklichkeit(en), die im Laufe der Erzählung ins Surreale, Absurde kippen. Die Verschiebung der Wahrnehmung kann schleichend geschehen oder überraschend, abrupt. Manche von Mosers Figuren gelangen unfreiwillig in fremde Welten, andere suchen bewusst das Abenteuer, die Grenzüberschreitung.
Ein Bruchpilot findet in den Wolken eine Vogelstadt und wird von den geflügelten Bewohnern zum Kriegshelden umfunktioniert. Hasen untergraben ein riesiges Maisfeld und halten in ihren Höhlen Zweibeiner als Gefangene. Der Leopardenmeister ist eine schillernde Figur. Der Mond erobert die Erde mit geheimnisvollen Zeichen und kaltem Licht. Ein Feuerwehrmann entdeckt das Volk der Flammen und verliert dabei sein Berufsethos. Im Kraftwerk haust ein riesiger Fisch und im eisernen Käfig über der Rathausgasse hockt – ja, was?

János Mosers Erzählungen, spannend und unterhaltsam zu lesen, sind inspiriert von E.T.A. Hoffmann und doch ganz eigen. Am Ende bleibt oft ein Rätsel stehen. Figuren wie Lesende greifen sich verblüfft an den Kopf.

János Moser, geboren 1989, wuchs in Suhr auf und lebt heute in Aarau. Er studierte Germanistik und Geschichte in Bern, Berlin und Zürich und schloss 2019 mit einer Masterarbeit über Hexenfiguren in der Literatur des 19. 
  • Kurt Aebli

Gregor W.

Erzählung

Philosophische Betrachtungen eines Einzelgängers auf dem «Traumpfad» im Wald, seine Beobachtungen als Nachbar sowie als Museumswärter in Teilzeit: Kurze Prosaskizzen umrahmen den Hauptteil dieses Buches, der in Fragmenten vom Scheitern einer Ehe erzählt, pendelnd zwischen Ich- und Er-Perspektive wie auch zwischen Emotionen und rationaler Beurteilung. Es ist die Geschichte der mitverschuldeten Vertreibung aus dem anfänglichen Paradies der Liebe, in eigenwilligem Stil beschrieben für eine andere Liebe: die kleine Tochter des Erzählers.

Gregor W. kann als dritter Band einer Trilogie gelten, denn der Protagonist ist schon in früheren Büchern des Autors aufgetreten: Unter dem Namen Wellenberg in Der ins Herz getroffene Punkt (Engeler 2005), als Gregor im Band Der Unvorbereitete (Engeler 2009). Im neuen Buch heisst Kurt Aeblis Alter Ego nun Gregor W. Seine Geschichte wird konzentriert, skizzenhaft und doch eindringlich weitererzählt, wobei es manchmal scheint, als würde der Autor seinem Alter Ego beim Schreiben über die Schulter schauen. Schicksalhaft im Hintergrund steht zudem Heinrich von Kleist.

Kurt Aebli ist 1955 in Rüti geboren. Er lebt heute in Nenzingen (Landkreis Konstanz). Längere Aufenthalte in Wien, Paris, Sofia, Berlin. Verfasser von Lyrik und Prosa. 

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