Frühjahrsprogramm 2024


Im Frühjahrsprogramm 2024 erscheinen drei weitere Bände der Reihe Caracol Prosa. Im Roman Damals am Zaun erzählt Viviane Egli von einer Wiederbegegnung nach 40 Jahren, die das Paar Sven und Esther schliesslich bis nach Japan führt. Der Roman Luftleer von Tina Schmid begleitet Mia, die nach dem Verschwinden ihrer Lebensgefährtin in die Leere versinkt, dabei aber neue Bekanntschaften macht. In Schaf und Schatulle spinnt Markus Stegmann aus 267 kurzen Prosatexten einen Erzählfaden: zeitkritisch, humorvoll, immer wieder überraschend.

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Die Bücher dieses Programmes

  • Viviane Egli

Damals am Zaun

Roman
Cover Image of Damals am Zaun

Herbst 2009. An einem Klassentreffen in Zürich begegnen sich Sven und Esther nach vierzig Jahren erstmals wieder. Sven fühlte sich während seiner Schulzeit zur eigenwilligen Esther aus einer Familie ostjüdischer Provenienz hingezogen, war aber zu schüchtern, ihr seine Gefühle zu gestehen. Was damals eine adoleszente Nähe, ein unbestimmtes Glimmen war, wird vier Jahrzehnte später eine ernsthafte Beziehung.

Sven, Mathematiker und selbstständiger Ingenieur, reist im Auftrag seiner Kunden und für Vorträge um die Welt. Als er einen Lehrauftrag an einer Tokyoter Universität erhält, bittet er Esther, mit ihm nach Japan zu ziehen. Esther, die ihre journalistische Projekte auch aus der Ferne erledigen kann, stimmt zu. Bald aber stellt sie fest, dass sie körperlich zunehmend schwächer wird. Während eines beruflichen Zwischenstopps in der Schweiz sucht sie einen Arzt auf.
Am Tag ihrer Abreise aus Japan im März 2011 ist Sven an einer Frühlingsgrippe erkrankt und erlebt das Erdbeben und die Nachrichten von Fukushima im Fieberwahn im kleinen Tokyoter Apartment, wo er auf Esthers Rückkehr wartet.

Kurze Rückblenden ziehen sich durch den ganzen Roman und weben eine Brücke in die Vergangenheit, die ins Lebensgefühl der Siebzigerjahre zurückführt. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht der beiden Figuren Sven und Esther erzählt, bietet aber auch die Perspektiven anderer Charaktere: diejenige von Martin, einem ehemaliger Schulfreund der beiden, von Jeanette, Svens Ex-Frau, und die eines alten Apothekers aus Esthers Nachbarschaft.

In ihren neuen Roman lässt Viviane Egli eigene Lebensstationen mit einfließen. Besonders ihre Erfahrungen auf beruflichen Reisen lassen Svens Aufenthalte in Japan lebendig und authentisch wirken. Ihre Beschreibung der historischen Momente ist eindrücklich, zum Beispiel die Situation in Tokyo nach dem verheerenden Tsunami und der anschließenden Nuklearkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 oder die Hinweise auf das Hinterhaus in Amsterdam, in dem Anne Frank zwei Jahre lang gelebt hat.

Viviane Egli wurde 1956 in Zollikofen BE geboren und wuchs in St.Gallen auf. Heute lebt sie in Zürich. Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie (Schwerpunkt Mediävistik) an der Universität Zürich, Promotion 1986 mit einer Dissertation über Gebärdensprache und Bedeutung mittelalterlicher Rittergrabbilder. 
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  • Tina Schmid

Luftleer

Roman
Cover Image of Luftleer

Louise ist spurlos verschwunden. Mia versinkt nach dem unerklärlichen Verlust ihrer Lebenspartnerin in die Leere. Während einer Reise in den Norden Deutschlands lernt sie die Lektorin Katharina kennen. Fasziniert von der zurückhaltend hartnäckigen Frau, findet Mia allmählich wieder Zugang zu ihren lange erstickten Gefühlen.

Durch ein Manuskript, das Katharina sichtet, taucht Mia in die Geschichte von Aaron ein und findet in ihm eine Spiegelfigur. Der junge Architekt, von seinem ersten eigenen Projekt überfordert, wird mit existentiellen Fragen konfrontiert. Der einzige Anker ist seine gute Freundin Gianna. Als ihm sein Alltag allmählich entgleitet, entschließt er sich zum Eintritt in die Psychiatrie. Sein Aufenthalt in der Klinik wirft ein kritisches Licht auf die psychiatrische Krisenintervention.

Mia öffnet sich Katharina und erzählt ihr von Louises Verschwinden. Auf die erste Erleichterung folgt ein Moment der Überforderung, woraufhin Mia ohne Abschied zu nehmen in die Schweiz zurückkehrt. Mias beste Freundin Marlene bringt sie als Aushilfe in einer Kunstausstellung unter, da sie wegen ihres überdehnten Urlaubs ihren Job verloren hat. Unerwartet steht allerdings Katharina vor Mias Tür.

Tina Schmid behandelt in ihrem Roman wichtige Themen wie Depression und Selbstverletzung. Wie geht man mit dem Verschwinden einer geliebten Person um, was tun, wenn man sich so lange in der Schwebe befindet? Tina Schmid schildert direkt, aber berührend die emotionalen Zustände ihrer Figuren Mia und Aaron, deren Handlungsstränge sie geschickt zu einer Spiegelwelt verflicht, sodass die Charaktere von Roman und «Roman im Roman» teilweise verschmelzen.

Tina Schmid wurde 1984 im Zürcher Oberland geboren und lebt in Zürich. 2004 – 2007 Studium an der Pädagogischen Hochschule in Zürich, seither arbeitet sie an der Volksschule. 
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  • Markus Stegmann

Schaf und Schatulle

Cover Image of Schaf und Schatulle

In seinen an Gedankenfäden aufgereihten Kurztexten nimmt Markus Stegmann uns mit in ein bildhaftes Philosophieren, das nachdenkenswert und zugleich unterhaltsam ist. Viele der 267 mit einem Stichwort betitelten Prosastücke führen auf wenigen Zeilen zu unerwartet skurrilen oder absurden Wendungen.
Die Lektüre bietet surreale Minigeschichten, meditative Passagen, aber auch Zeit- und Gesellschaftskritik mit doppeltem Boden. So begegnet das Erzähler-Ich bedrohlichen Riesen – und fragt sich im Gespräch mit dem Nachbarn mehrdeutig, ob man Riesen noch Riesen nennen darf. Dieses Ich hat eine eigenwillige Art die Welt zu betrachten, bald schwermütig, bald humorvoll, gelegentlich mit Selbstironie. Bald scheint der Erzähler in Depression oder gar Demenz abzugleiten, bald packt ihn die Abenteuerlust und er bricht auf in unendliche Phantasiegefilde. Er lebt in einem «abgewohnten Schloss», schwingt sich beflügelt hinauf in den Luftraum darüber und fliegt schliesslich in einer kleinen Kapsel hinaus in den Weltraum, wohin ihm sein «imaginäres Schaf» folgt. Gemeinsam betreten sie den Mond. – Die Gedanken-Salti des Erzählers sind erheiternd, doch entspringen sie ernsthaftem Nachdenken über den Zustand unserer Welt.
Der Autor ist Kunsthistoriker, was in der Bildhaftigkeit vieler Texte spürbar wird. Das Gegenüber von Wahrnehmung und Vorstellung wird thematisiert wie auch das Ringen um Kreativität – in Bild oder Text – zwischen Emotion und Ratio.

Markus Stegmann ist 1962 in Backnang/Baden-Württemberg geboren. Seit 1991 lebt er in Basel. Er ist Deutsch-Schweizer Doppelbürger. Studium der Kunstgeschichte, Ur- und Frühgeschichte und Publizistik in Berlin, Bochum und Basel. 
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